Dokument


Götz von Riedesel zu Eisenbach


Lebenslauf:




Darmstadt d. 4. Nov. 15
Heinrichstr. 12
Historisches Museum und Archiv der Stadt Darmstadt
Beifolgend sende ich Ihnen auf Ihren Wunsch den Lebenslauf meines Sohnes. Ich bitte zu entschuldigen, daß ich es so spät tue, aber ich war lange verreist u. sehr in Anspruch genommen, nachdem ich auch einen zweiten Sohn hingeben mußte. Eine Photographie hatte ich bestellt u. werde sie Ihnen nach Empfang schicken. Ich wollte Sie nicht gern noch länger warten lassen.
Sehr ergeben
H. Riedesel Freiherr z. Eisenbach.

Götz Riedesel Freiherr zu Eisenbach wurde geboren d. 11. Juli 1882 zu Berlin. Seine Jugend verlebte er im Elternhaus z.T. in Altenburg, Oberhessen, z.T. in Darmstadt. Seine Schulzeit erledigte er im Ludwigs-Georgs-Gymnasium und bestand seine Reifeprüfung im Schuljahr 1906. Studierte Rechtswissenschaft auf den Universitäten Genf, Freiburg, Leipzig, Marburg. Nach bestandenem Referendarexamen in Kassel trat er in Preußischen Staatsdienst als Gerichts- und Regierungsreferendar. Während dieser Zeit erledigte er seine Militärpflicht bei dem 9ten Garde Ulanen-Regiment Potsdam, dem er als Reserveoffizier bis zu seinem Ende angehörte. 1909 machte er sein Staatsexamen und fand im Preußischen Verwaltungsdienst Verwendung. Er trat 1910 in den Auswärtigen Dienst, wurde 1911 Attach‚ in London und erhielt im Jahre 1913 seine Ernennung als Kaiserlicher Legationssecretär an der Gesandtschaft in Peking. Bei Ausbruch des Krieges bat er um Befreiung seines Amtes, um nach Deutschland zurückzukehren und bei seinem alten Regiment mitzumachen. Indessen wurde er nach Tsingtau einberufen. Er fiel als erster Deutscher beim Vorpostengefecht bei Linting beim Richako am 18. Sept. 1914. Am 19ten. bestattete man ihn auf dem Gouvernementsfriedhof in Tsingtau. Oberförsterei Seelzerthurm bei Markoldendorf Kreis Einbeck

Sehr geehrter Herr Doctor:
Wollen Sie es bitte verzeihen, daß ich Ihren Brief vom 29. März so lange unbeantwortet ließ. Ich bin seit Monaten unterwegs und Ihr Schreiben traf mich nicht mehr zu Hause. Ich bin jetzt bei meiner Tochter, Frau von Hammerstein u. sie konnte mir das Bild meines Sohnes Götz geben, der in Tsingtau fiel. Ich erinnere mich nicht genau, ob ich Ihnen dessen Lebenslauf damals schickte. Sollte es nicht richtig sein, so kann ich es vielleicht umtauschen. Wenn Sie so freundlich sein wollen es mir mitzuteilen und zurückzuschicken. Ich bleibe noch längere Zeit hier.
Mit angelegentlichem Gruß

H. Riedesel Frhr. z. E.



Selbstzeugnis: